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» für mich war fuerteventura eine wahre oase, eine oase, wo mein geist das belebende wasser trank, und aus der ich gestärkt hervorging. « miguel de unamuno

 

Für Nino Strauch war die erste Begegnung mit der kanarischen Insel im Dezember 2014 Liebe auf den zweiten Blick. Erst mit der Zeit lernte er die Einfachheit des Lebens, die Kargheit und Abgeschiedenheit schätzen, beugte sich fortan dem Diktat von Wind und Wetter, um seine großen Präferenzen, das Wellenreiten und die Fotografie, realisieren zu können. Elementare Urkräfte werden zu ständigen Begleitern, denn sie bestimmen, wann Wellenreiten möglich ist und wenn der optimale Zeitpunkt für das Fotografieren gekommen ist. Ganz besonders fasziniert ist Nino Strauch vom Licht der afrikanischen Sonne. Die südliche Festküste Marokkos liegt nur ca. einhundert Kilometer südöstlich von Fuerteventura und der Himmel sich gelegentlich glutrot färbt, kann erahnt werden, dass die Sahara nur einen Windstoß entfernt ist. Dabei ist es gerade die Performance des Lichts, dessen chamäleonartige Veränderung, das Vexierspiel von Licht und Schatten, das das Auge des Fotografen in den Bann zieht. 

 

Nino Strauch ging das Fuerteventura Projekt mit Muße an. Bewusst sperrt er sich gegen die Nervosität der Postmoderne. Erkunden, Wahrnehmen, Staunen, Sehen, Reflektieren und genaues Analysieren, was abbildungswürdig erscheint, ging als intellektueller Prozess voraus, bevor er den Auslöser drückte. Seine Auswahl der Motive ist delikat. Die typischen Postkartenmotive – Fehlanzeige. Und dennoch schafft er es, das Charakteristische, eben das, was Fuerteventura so unvergleichbar macht, mit der Kamera festzuhalten. Er versteht es, diese karge, unwirtliche Landschaft, aufgefaltet durch Erosion, Millionen Jahre alt und völlig unberührt vom Zahn der Zeit, virtuos in Szene zu setzen. Er fängt das Farbspektakel ein, wenn der Berg von innen heraus glüht und von außen angeleuchtet wird. Magische Momente wurden verewigt. 

 

Sein Hauptaugenmerk gilt der Architekturfotografie. Die bunt bemalten kubisch ineinander verschachtelten Häuser bieten mit ihren orthogonalen und vertikalen Linien das willkommene Kompositionsgerüst. Abstrakte farbige Flächen dominieren diese Fotografien. Aus dem bewusst gewählten Ausschnitt wurde durch die Selektion des Fotografen ein Kunstwerk von ästhetischer Finesse, Assoziationen zu abstrakten Bildern drängen sich auf. Die fein ziselierte Stimmung wird von der Lichtregie bestimmt. Die Leere und Kühle evoziert eine unwirkliche, aufgeladene Atmosphäre, ein Spannungsmoment ist impliziert.               

 

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Projekten, Tokio und Myanmar, verzichtet der Fotograf dieses Mal weitgehend auf die Ablichtung des Menschenbildes, stattdessen favorisiert er puristische Stimmungsbilder, die Kontemplation ermöglichen und auf diese Weise zur „Oase“ werden.

 

 

Heidrun Bucher-Schlichtenberger, M.A., galerie kunstblick, Balingen